Meine Modelleisenbahn

Ich ein paar Tage früher...Als halbwegs praktisch interessierter Junge wünscht man sich irgendwann ein technisches Spielzeug. Bei mir waren es im zarten Alter von 9 Jahren ein Märklin Metallbaukasten sowie etwas später eine elektrische Eisenbahn der gleichen Marke. Beides waren Weihnachtsgeschenke.

Mein Vater war (natürlich) der beste Vater der Welt, er lehrte mich das Schachspiel und ebenso den Umgang mit dem Fußball, aber in allen Dingen, die mit Technik zu tun hatten, war er absolut hilflos. So wurde ich zum "Reparateur" der Familie und lernte früh mit Schraubenzieher und Zange zu hantieren, ebenso auch die (nach einem anständigen Schlag) vorsichtigen Arbeiten an elektrischen Anlagen. Ein Schreiner in der Nachbarschaft brachte mir bei, wie man Holz bearbeitet. Damals besorgte ich meine ersten Werkzeuge und lernte den Respekt vor dem Werkzeug (Ein Werkzeug ist nicht vor einer Arbeit zu reinigen sondern nach einer Arbeit!).

Ich bin in Mannheim unmittelbar am Neckar geboren. Auf dem gegenüber liegenden Ufer wurden Kohlen und Schrott verladen. Heute befindet sich da ein Containerterminal. Damals ist mein Vater oft mit mir durch den Mannheimer Industriehafen gegangen. Da konnte ich das Zusammenwirken von Schiff und Bahn sehen. So etwas will ich an meiner Anlage haben!

Der Metallbaukasten lehrte mich den Umgang mit einfachen Maschinen und Konstruktionselementen. Die Eisenbahn war, wie ich später lernte, eine Systemerfahrung mit Elektronik und Mechanik. Mein Fuhrpark bestand aus einer Br 89, einer Br 03 und einer DL800. Es gab noch die alten M-Geleise mit Mittelschiene und 4 elektrische Weichen. Alles war auf einer Platte von 2 m auf 1,5 m montiert und konnte nur zu Weihnachten hervorgeholt werden, weil mir dann das Wohnzimmer alleine gehörte.

Später trat die Ausbildung in den Vordergrund und ich verkaufte die Anlage für 200 DM, um mir den lang ersehnten Fotoapparat mit Wechseloptik zu kaufen. Abitur und Studium nahmen mich dann in Anspruch. Damals durfte man in Heidelberg nur studieren, wenn man ein Maschinenbaupraktikum nachweisen konnte. So lernte ich Technisches Zeichnen, Drehen, Fräsen und auch Schweißen. Alle diese Fertigkeiten haben mir sehr geholfen. 

Plötzlich hatte ich Familie und Kinder, Mädchen, aber sehr praktisch orientiert. Ich nahm mir vor, dass meine Töchter auch technisch erzogen werden sollten und habe dies auch einigermaßen geschafft.

Wir haben eine geschenkte H0-Anlage (wieder Wechselstrom) an einem freien Platz im Keller aufgebaut, und wir haben damit gespielt, bis meine Ladies entdeckten, dass es weitaus interessantere Dinge gab als Modelleisenbahnen. So wurde diese zweite Anlage in eine große Kiste verpackt, und ich widerstand für zwei Jahrzehnte dem steten Wunsch meiner Frau Gemahlin, die Sachen doch endlich dem Spender zu retournieren. Insgeheim schielte ich nach dem "Großen Keller", einem Raum, der sich beim Bau unseres Hauses zwangsläufig unter dem Wohnzimmer ergeben hatte. Er wurde lange Zeit von  meinen Töchtern ausgiebig als Abstellraum genutzt.

Ich habe über vierzig Jahre Teilchenbeschleuniger gebaut und bin meinem Ruf als Schraubenzieher- und Lötphysiker treu geblieben, und als ich in die Jahre kam, in denen normale Leute in Rente gehen, da konnte ich einfach nicht aufhören, sondern ich arbeite weiter an einem neuen Projekt.  Daneben bin ich dabei, eine richtig große Anlage zu bauen, weil ich mich irgendwann wirklich zur Ruhe setzen möchte. Ich weiß nicht, ob diese Anlage je fertig werden wird, weil es sein kann, dass der große Fahrdienstleiter das Signal auf "Halt" stellt, aber so lange will ich noch weitermachen.  

Meine Familie habe ich enteignet, das noch übrige Mobiliar werde ich Stück für Stück entsorgen. Dann steht eine Fläche von 4 m auf 6 m zur Verfügung. Wenn ihr nach diesem Sermon noch Lust habt, dann blättert halt weiter und schaut euch an, was ich da tue, vielleicht kann es dem einen oder anderen helfen. Ich bin gewohnt, Laborberichte zu schreiben, mag sein, dass ich einen anderen Stil habe als ihr. Ich glaube nicht, dass ich das noch ändern werde.