Meine Modelleisenbahn

Ein Stück Blech, ein Stück Holz und ein Platt Papier

Metamorphose

1. Veranlassung 

Es hat mich geärgert, dass bei vielen Herstellern die Containertragwagen vergleichsweise teuer sind, obwohl sie doch sehr einfach aufgebaut sind. Daher habe ich beschlossen, einen Zug mit 15 Wagen selbst zu bauen.

Für die Wagen brauche ich Blech, Drehgestelle, Puffer sowie einige Schrauben und Muttern. 

Für die Container brauche ich einen "Mustercontainer", meinen Scanner, gutes Papier (>310g/m2), einen Satz guter Schneidemesser und natürlich den besten Papierkleber dieses Planeten.

Für den Volumenkörper - die Füllung des Containers - brauche ich eine genau passende Leiste, Karosseriescheiben aus verzinkten Stahl und einige Schrauben. Die Karosseriescheiben sorgen dafür, dass ich den Container später mit zwei Haltemagneten anheben kann.

Dazu musste ich lernen, mit der Airbrush-Pistole zu arbeiten. Das war ein völlig neues Metier für mich. zum Glück gibt es hier in Darmstadt ein ausgezeichnetes Haus für Farben, Papiere, Kartonagen, etc. mit einem exzellenten Berater. Im Netz sind die Sachen sicher billiger zu haben, das hätte mir ohne Beratung wenig genutzt, wenn mir nicht ein sehr kompetenter Berater umfassend Anleitungen erteilt hätte.

 

2. Ein Stück Blech

Stahl St37, leicht angerostet, 1mm stark, Zeichnung für Containertragwagen

3. Nacharbeiten

Dann ging es an die Nacharbeiten. Die Drehgestelle waren "ein wenig anders" als auf der Zeichnung vom Hersteller angegeben, also mussten die Drehgestellzapfen neu verbohrt werden. die Ansenkung der Zapfen war auch "ein wenig anders", aber das ließ sich alles korrigieren. 

 

4. Farben

Da ich nicht warten wollte, bis das Stück Metall so angerostet war wie die DB-Containerwagen, musste ich mich mit Grundierung, Farben und dem Thema Airbrush beschäftigen. Ein mitleidiges Schicksal schenkte mir einen Kollegen, der so etwas "übrig" hatte. Man mag es nicht glauben, aber es hat auch Vorteile, wenn man eine Lungenkrankheit hat, dann besitzt man nämlich einen kleinen (und sehr leisen) Kompressor, mit welchem man seine täglichen Inhalationen durchführt. der hat auch zufällig den gleichen Druck wie ein Airbrushkompressor, so dass die ganze Arbeit nur in der Anfertigung eines Adapters bestand.

Gemäß meiner Erfahrungen aus der Schulzeit "discimus dum vivimus" oder auch "try and error" habe ich mir den Umgang mit den Airbrushfarben angeeignet. Das geht alles eigentlich ganz gut, bis man das Bauteil drehen muss, also habe ich schweren Herzens weitere 3.95 € geopfert und einen Drehteller erstanden. Jetzt bin ich dabei, diesen mit einem E-Motor auszurüsten.

Nach der Grundierung sah das dann so aus:

Containertragwagen sind schmutzig, sie rosten, und ihre Farbe blättert ab. Das habe ich versucht nachzuvollziehen, als ich die Wagen gespritzt habe. Sie sind so schön häßlich geworden, wie sie in Natura sind. Aber mit Drehgestellen, Kupplungen und Puffern sehen sie schon eher nach Eisenbahnwagen aus

 

 

5. Ein Stück Holz

Wenn ich schon einen Containertragwagen baue, dann soll dieser auch be- und entladbar sein. Entladen ist einfach, aber beim Beladen muss man die Containerbrücke und die Wagen ziemlich genau aufeinander positionieren. Das geht ganz gut mit Schrittmotoren, aber ich muss auch wissen, wo die Wagen genau stehen. Hier habe ich noch keine endgültige Lösung, aber die Sache geht irgendwo in Richtung IR-Lichtschranke mit Zugbeeinflussung (Ich werde weiter berichten). Jedenfalls müssen die Container einen Volumenkörper haben, welcher dafür sorgt, dass beim Beladen nicht das Kartonmodell wie ein Blatt im Herbstwind herumwirbelt. Da ich auch nicht die Originalmechanik einer Containerbrücke nachvollziehen kann, stelle ich mir zwei Haltemagnete vor, welche sich im Innern einer "Dummy-Container-Tragvorrichtung" befinden und die Container festhalten. Hierzu wurden auf die Leisten im Innern der Container zwei Karosseriescheiben 4.2x25 montiert, die vom Magnetfeld angezogen werden. 

 

6. Ein Stück Papier

Einen Container habe ich besorgt. Er ist aus Hochglanzpappe und zeigt eine mäßig gute Darstellung des Wellblechs der Außenwandung. Also habe ich meinen Scanner angeworfen, alle Drehknöpfe in Richtung höchste Auflösung gedreht, eine halbe Stunde gewartet, das Ergebnis in meinen Drucker gegeben und einen Schnittmusterbogen erhalten, aus welchem dann nach einigen Fehlversuchen so etwas wie ein Container entstand. Damit war ich nicht zufrieden.

Meine Tochter machte mir klar, dass ich mit der Pixelgrafik nicht weiterkommen würde, also musste ich den Container total neu konstruieren. In Hamburg wurde ich schließlich fündig. Es gibt dort Firmen, die Container bauen und vertreiben. Sie haben genaue Pläne der Dimensionen aller Teile und genaue Beschreibungen. Nach der Neukonstruktion - und einigen weiteren Iterationsschritten hatten wir ein klares und sauberes Bild auf dem Schnittmusterbogen. Auch den Bogen habe ich geändert, so dass die Konstruktion "selbstjustierend" ist. Das heißt, durch die Tür und durch die Hinterwand wird der Container automatisch rechtwinklig.

 

7. Ein Ergebnis

Die verschiedenen Teile des Wagens habe ich unten angeordnet, ebenso einen Wagen, welcher mit einigen Grafitti "beschmiert" wurde. Hierbei werde ich noch Nachhilfestunden in Sachen Photoline benötigen, aber das wird schon. Das Fahrverhalten der Wagen auf meinen M-Gleisen ist nicht absolut überzeugend Es kann schon sein, dass ich das Gewicht der Volumenkörper ein wenig reduzieren muss, da mit 15 Wagen eine Rückwärtsfahrt schon ein wenig ein Risiko darstellt.

In der Zwischenzeit sind auch die Drehräder für die Bremsen und die Leitern gekommen - alle etwa 0.5 cm groß. 

 

 

8. Bremsräder und Leitern

Beides sind Messing-Ätzteile, die am Chassis angebracht werden müssen. Ich habe es zunächst mit verschiedenen Drähten versucht, was dazu führt, dass die Räder und Leitern verschmutzt werden, so dass das Ganze nicht toll aussieht. Außerdem beträgt der Lochdurchmesser der Bremsräder etwa 0.8mm. Es gibt so kleine Schrauben, aber das war mir dann doch zu aufwendig. Ein gütiges Schicksal hat es gefügt, dass ich vor einiger Zeit von meiner Zahnärztin einige Mikrofräser erbetteln durfte. Damit habe ich das Loch auf etwa 1.1mm aufgebohrt.

Aus der Nähe sieht man den Fräser am besten

Als Schraube verwende ich eine Nietenschraube M1x12. Das sieht auf der Makroaufnahme schon ganz gut aus.

Es ist übrigen nicht so ganz einfach, die "Mütterchen" auf die Schraube zu bringen und dann auch noch fest zu drehen. Das geht in senkrechter Haltung am besten. Anschließend spanne ich die Schraube in das Futter meines kleinen Bohrschraubers ein, lasse ihn links herum laufen und halte die Muttern mit der Spitzzange fest, bis das Rad festsitzt. Dann kommt eine Scheibe M1 und das Ganze wird in das zugehörige Loch im Chassis gesteckt. Das Aufbringen der zweiten Scheibe wird zum Geduldsspiel noch mehr aber das Anschauben der Mutter. Am Ende habe ich einen Isolierschlauch über die Mutter gestülpt. Dieser erlaubt mir dann auch die Mutter auf das Gewinde aufzusetzen und festzudrehen. Den letzten "Dreh" mache ich mit der Spitzzange, anschließend kommt etwas Schnellkleber auf die Mutter, das überstehende Ende der Schraube wird abgezwickt. Das Ganze ist eine Nervensache, aber ich bin von einer halben Stunde beim ersten Wagen jetzt auf 10 Minuten gekommen.

Die angelötete Leiter hat mir auch nicht gefallen. Also wird sie über einer Lehre der Stärke 1mm umgebogen und in den Schlitz am Chassis gesteckt. Wenn sie justiert ist, biege ich einfach die letzte Sprosse um das Chassis und fixiere das Ganze wieder mit Schnellkleber.

Die Arbeiten hinterlassen Spuren an der Bemalung. Diese werde ich mit dem Feinpinsel wieder entfernen.

Ich habe noch einige Bilder beigefügt, um den Unterschied zwischen der gelöteten Version und der geschraubten Version klar zu machen.

 

Das sieht nun doch ziemlich vernünftig aus, auch wenn die Leiter noch gerichtet werden muss.

 

9. Habe ich etwas gelernt?

Es hat sich gezeigt, dass man viele Zwischenschritte für solch einen Zug benötigt, und ich bin nun weiß Gott kein Fanatiker für große Vorbildstreue. Es gibt Modellbahnkollegen, die das sind - Ich bewundere diese Kollegen - die werden sich abwenden von der zu einfachen Konstruktion. Mir stand auch keine Spritzgußform zur Verfügung, wie den Modellbahnfirmen. Dann hätte mich der Wagen so viel gekostet, dass ich ihn im Laden fast billiger gekriegt hätte. 

Die erste Lösung bei der Sache war nicht immer die beste Lösung, und ich musste wie bei der Containerhülle einige Male von vorne anfangen. Aber die Beantwortung der Frage: "Kriegst Du das mit Deinen Mitteln noch hin?" war mir das wert.

Was also ist geblieben:

Ein Containerzug mit 16 Wagen, der so ausgestattet ist, dass man ihn genau positionieren kann, um den Beladevorgang durchzuführen. Erfahrung mit Airbrush Technik. Als Mißerfolg erwies sich die Beschaffung von Abziehbildern für die Beschriftung der Wagen. Ich danke ganz besonders dem Kollegen, der sich solche Mühe mit der Erzeugung der Abziehbilder gemacht hat, aber mein Gesundheitszustand bereitet mir bereits Schwierigkeiten beim Löten von DIL- oder SMD-Bauteilen. Als ich die ausgezeichnete Arbeit gesehen habe, bin ich doch ziemlich verzweifelt, weil ich es nicht schaffen werde, auch nur das DB-Zeichen an Ort und Stelle (und gerade!!) zu bringen. Auch mein Enkel, der mit 17 Jahren natürlich ruhiger ist, hatte da Probleme. Die Wagen werden also wohl ohne DB-Zeichen verkehren müssen. 

Im Rahmen der Arbeiten habe ich eine Filmbearbeitungssoftware beschafft, dabei half mir meine frühere Erfahrung als Schmalfilmer. Ich bin auch in einen Modellbahn-Club eingetreten (MEC-Gernsheim) und fand da nette Kollegen, mit denen ich Dinge diskutieren kann, und denen ich mit meiner Erfahrung als experimentell arbeitender Mensch ein wenig helfen kann.

Für die Verladeeinrichtung habe ich einige neue Impulse erhalten, die mir helfen werden, das Ding ein wenig besser zu gestalten als bisher geplant.